AG Case Management

Case Management hat in den letzten Jahren auch in Österreich einen Aufschwung in Form einer breiten Anwendung erfahren. Dabei ist jedoch festzustellen, dass der Terminus in Gesetzen und bundesweiten Programmen verwendet wird, ohne dass näher ausgeführt wird, was unter Case Management zu verstehen sei.

Case Management

Im Fachdiskurs werden mit dem Case Management-Konzept Vorstellungen von einer koordinierten Unterstützungstätigkeit verbunden, die mit entsprechenden intra- und interorganisationellen Anpassungen einhergehen. Die für wirksames Case Management erforderlichen organisatorischen Rahmenbedingungen sind in Österreich allerdings kaum gewährleistet.

Social Work Case Management

Für die Soziale Arbeit ist Case Management als Verfahren und Organisationskonzept interssant: Als Verfahren, weil es einer bestimmten Choreografie folgt und Vorgaben hat; als Organisationskonzept, weil der Unterstützungsbedarf quer zu sektorialisierten Formen der Leistungserbringung steht und die Organisationen auf eine besondere Art herausfordern. Immerhin werden sie zur Kooperation verpflichtet. Social Work Case Management ist für uns aus vielen Gründen besonders anregend und inspirierend. Es wurde in den USA von unseren Kolleg*innen entwickelt (NASW) und rückt die Person mit Unterstützungsbedarf ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der sozialarbeiterische Anspruch auf eine ganzheitliche Beurteilung der Lebenssituation der KlientInnen, auf Hilfen, die sich an den Bedürfnissen, Stärken, Ressourcen, lebensweltlichen Bedingungen und Zielen orientieren, findet sich in diesem Case Management Konzept wieder.

Social Work Case Management ist in unserem Verständnis ein Case Management, das nicht in erster Linie einem koordinierten Vorgehen einzelner Organisationen dient, sondern das die Logik individueller Notlagen zum zentralen Kriterium der Organisation von Hilfen macht. Dass damit der Mitteleinsatz effizienter wird, ist ein durchaus erwünschter Nebeneffekt, nicht aber das zentrale Kriterium für die Beurteilung des Erfolgs.

Social Work Case Management ist ein Konzept, das nicht isoliert als Methodik der Hilfe im Einzelfall funktionieren kann, sondern das die Schaffung institutioneller und rechtlicher Rahmenbedingungen voraussetzt.

Unsere Arbeit

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Case Management in der ogsa hat sich 2017 zun Ziel gesetzt, den fachlichen Austausch von Lehrenden, Organisierenden und PraktikerInnen des Case Managements anzuregen – und zwar unabhängig von ihrer Profession. Mittlerweile, zwei Jahre später, können wir die ersten Früchte unserer gemeinsamen Arbeit präsentieren: „Standards für Social Work Case Management“.

Die vorliegenden Standards für ein konsequentes Social Work Case Management sollen Praktiker*innen und Entscheider*innen gleichermaßen als Anleitung dienen und Sicherheit bei der Umsetzung bieten. Bei der Erarbeitung dieser Prinzipien wurde auf die bestehenden Arbeiten der Fachgesellschaften in den USA, in Deutschland und der Schweiz sowie auf den Fachdiskurs über Case Management innerhalb der Sozialen Arbeit Bezug genommen. In enger Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) wurden bestehende Positionen zu einem sozialarbeiterischen Case Management geschärft und erweitert.

Unsere nächsten Schritte

In der nächsten Zeit wollen wir den Kontakt zu den Praktikern und Praktikerinnen verstärken und mit ihnen in einen Austausch rund um das Thema „Standards“ treten. Die nächste Gelegenheit bietet sich bei der ogsa-Tagung im März 2019. Der Einladungstext dazu findet sich in den nächsten Tagen auf der Hauptseite.

Was Experten und Expertinnen zu den Standards sagen

Mit der Erstellung der ersten deutschsprachigen „Standards für Social Work Case Management“ ist es auf beeindruckende Art und Weise gelungen den sozialarbeiterischen Kern des Case Managements zu reaktivieren. Die Kolleginnen und Kollegen der OGSA haben eine wichtige Konturierung des Social Work Case Managements vorgenommen, die die Unterschiede zu den mittlerweile weit verbreiteten gesundheitswissenschaftlichen und ökonomischen verstandenen Case Managementansätzen deutlich machen. Es handelt sich ohne Zweifel um einen wichtigen Beitrag in der Diskussion zum Sozialarbeiterischen/ Social Work Case Management.

Prof. Dr. phil. Matthias Müller, Diplom-Sozialarbeiter/-Sozialpädagoge, Soziologe, Case Manager / Case-Management-Ausbildner (DGCC), zertifizierter systemisch- lösungsorientierter Coach und Supervisor (SG), Dialogischer Qualitätsentwickler (KK); Professor für Pädagogik, Sozialpädagogik und Hilfen zur Erziehung sowie Studiengangsleiter des BA Studiengangs Berufspädagogik an der Hochschule Neubrandenburg; zusammen mit Prof. Dr. Corinna Ehlers Sprecher der Fachgruppe „Case Management in der Sozialen Arbeit“ der DGCC und der DGSA

Unter der Bezeichnung Case Management wird heute vieles angepriesen, was bei genauerer Prüfung wenig mit echtem Case Management zu tun hat. Die Idee von sozialarbeiterischem Case Management ist, Hilfen verschiedener Systeme so zu koordinieren, dass sie tatsächlich den individuellen Bedürfnissen der KlientInnen entsprechen. Die Standards, die von der AG Case Management in der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa) ausgearbeitet wurden, fassen zusammen, wie diese Methode zum Nutzen der KlientInnen eingesetzt werden kann. Sie sind ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Aufbau von CM-Projekten, und sie bieten eine gute Folie für Evaluation und Diskussionen über die Weiterentwicklung. Die ogsa als die fachwissenschaftliche Gesellschaft der Sozialen Arbeit legt damit ein richtungweisendes Papier für die Gestaltung von Hilfeprozessen vor, das weit über die Sozialarbeit hinaus Beachtung finden sollte.

Prof. Dr. Peter Pantucek-Eisenbacher, Sozialarbeiter, Soziologe, Supervisor, Case-Management-Ausbildner (DGCC); lehrt und forscht zu Theorie und Methodik Sozialer Arbeit; Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa), Rektor der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten

In die vorliegenden Standards sind präzisierte Gesichtspunkte zur Arbeit mit CM eingearbeitet, die bisher teilweise in den Fachöffentlichkeiten recht unterschiedlich ausgelegt wurden. Schließlich bedanke ich mich als Praktiker des CM bei den AutorInnen für die Initiative, mit nicht zu unterschätzendem zeitlichen und organisatorischem Aufwand (endlich) entsprechende Grundlagen eines SWCM erarbeitet zu haben. Die Standards setzen neben vielen inhaltlichen Festlegungen auch einen verbindlichen ethischen Maßstab, der „in Zeiten wie diesen“ nicht verloren gehen darf…

DSA Christian Tuma, Wiener Berufs Börse

Der Diskurs und die Orientierung an fachlichen Standards des Case Managements, helfen in der täglichen Arbeit, aber auch in der sicheren Positionierung im innerbetrieblichen Spannungsfeld zwischen den Unternehmenszielen und unserer fachlichen Grundhaltung.

DSA Harald Voitl, MSM: Diplomsozialarbeiter, Sozialmanager, Case Manager (ÖGCC); Verantwortlicher für das erste Pilotprojekt zur Betrieblichen Wiedereingliederung im ÖBB Konzern, Strategische Leitung und Koordination der Betrieblichen Wiedereingliederung bis Ende 2017

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Karin Goger
Email: karin@karingoger.at

Christina Engel-Unterberger
Email: christina.engel-unterberger@fhstp.ac.at

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